Unsere Stadt braucht ausreichend Personal!

Die Stellungnahmen der Fraktionen zum Haushalt heute in den Erlanger Nachrichten geben ein gutes Beispiel dafür, wie schief häufig über den Staat und seine Aufgaben diskutiert wird. Bei fast allen Parteien kommt vor, man müsse den Zuwachs an Personalstellen bei der Stadtverwaltung reduzieren. Aber nirgendwo steht auch nur ein Satz dazu, auf welche Aufgabe dafür verzichtet werden soll: Längere Warte- und Bearbeitungszeiten im Bürgeramt, beim Standesamt, bei Anträgen auf Sozialhilfe, Arbeitslosengeld II oder auch Bauanträge? Schlechtere Standards beim Unterhalt von Grünflächen, Straßen oder Gebäuden? Schließung von Kultur- und Freizeiteinrichtungen oder auch Schließung von Kindertagsstätten? Weniger Unterstützung für Familien, Menschen mit Behinderungen, Seniorinnen und Senioren?

Personal muss man von den Aufgaben her denken. Der einfache Ruf „weniger“ funktioniert nicht in einer wachsenden Stadt, weil mit mehr Menschen auch mehr Arbeit anfällt, überall in der Stadtverwaltung. Und wer mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Personalrat, Personalamt, Amtsleiterinnen und Amtsleitern spricht, der weiß: Die Erlanger Stadtverwaltung arbeitet an ihrer absoluten Kapazitätsgrenze, oft schon darüber hinaus: Das zeigen auch Daten wie die zunehmenden Erkrankungen wegen Arbeitsüberlastung.

In dem dicken Band mit den Stellenanträgen gibt es kaum eine „Nice to have“-Stelle, sondern bei fast allen Stellen geht es um Aufgaben der Stadt, die erledigt werden müssen. In den 1,2 Millionen, für die nun neue Stellen geschaffen werden, sind einige Stellen nicht dabei, die für das Erledigen von Aufgaben eigentlich dringend notwendig sind. Und ganz oft kommt es die Stadt teurer, auf Personal zu verzichten und dafür Aufgaben schleifen zu lassen: Denn dann wird es später noch viel teurer.

Die angeblich überbordende Stadtverwaltung, der ausufernde Personaleinsatz ist ein Märchen, das sich leider hartnäckig hält. Das Gegenteil ist richtig – übrigens auch für andere staatliche Ebenen: Der Staat hat sich an vielen Stellen viel zu sehr verschlankt. Und darunter leidet auch der gesellschaftliche Zusammenhalt.

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