Ein neuer Stadtteil für Erlangen?

Karte mit der Lage des geplanten Entwicklungsgebiets: Südlich von Büchenbach und nördlich von FrauenaurachIn der gestrigen April-Stadtratssitzung haben wir sehr ausführlich und unter großer öffentlichen Beteiligung und Protest über die ersten Schritte für ein künftiges neues Entwicklungsgebiet südlich von Büchenbach diskutiert.

Ich kann viele gerade aus der Landwirtschaft oder dem Naturschutz verstehen, die über diese Entwicklung erschrocken sind, sie ablehnen und/oder in die nächsten Schritte eingebunden werden wollen. Das muss und wird auch geschehen – der Beschluss, der nach der gestrigen Diskussion im Mai erfolgen soll ist ja nur der Auftakt zur Diskussion um die Entwicklung des Gebiets.

Wofür ich aber kein Verständnis habe ist, dass einige Kolleginnen und Kollegen aus dem Stadtrat und auch einige andere versuchen, bewusst mit Falschinformationen Stimmung zu schüren. Ein Kollege aus der CSU-Fraktion – die im Übrigen selbst die Ausweisung neuer Entwicklungsgebiete beantragt hat – postet z.B. auf Facebook, es solle „über Nacht“ ein neuer Stadtteil auf „200 Hektar“ ausgewiesen werden. Das ist gleich dreifach falsch: Zum einen beinhaltet der Beschluss den Auftrag für eine „Vorbereitende Untersuchung“ zu einer städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme. Voruntersuchung und anschließende Änderung des Flächennutzungsplans mit allen naturschutzrechtlichen und sonstigen Untersuchungen werden locker fünf Jahre in Anspruch nehmen. Von einer Ausweisung „über Nacht“ kann also keine Rede sein – zumal die Fläche bereits 1978 im „Kilpper-Plan“ zur Entwicklung Büchenbachs als Siedlungsfläche vorgesehen war und der Ringschluss des Adenauerrings von der CSU selbst unter anderem mit der künftigen Siedlungsentwicklung entlang der Straße begründet wurde.

Es wird zweitens auch dann in fünf Jahren nicht sofort die komplette Fläche als Baugebiet ausgewiesen, sondern das wird schrittweise bis ca. 2040, vielleicht sogar 2050, erfolgen (wie auch in Büchenbach-West).

Und drittens: Das Untersuchungsgebiet umfasst zwar 200 Hektar, die Vorlage sagt aber auch klar, dass davon nur etwa die Hälfte für eine Bebauung vorgesehen werden soll. Dass das Gebiet so viel größer ist liegt daran, dass auch ökologische und sonstige Vernetzungseffekte untersucht werden müssen.

Wir brauchen in Erlangen neue Siedlungsflächen. Denn die bestehenden wie auch die Nachverdichtungspotential e werden in den nächsten Jahren weitgehend genutzt – bei der Nachverdichtung so weit, wie das verträglich ist und die Flächen auch von den EigentümerInnen zur Verfügung gestellt bzw. selbst entwickelt werden. Bei dem in Erlangen bestehenden Wohnungsbedarf – und es zeichnet sich nicht ab, dass dieser in den nächsten Jahren geringer wird – brauchen wir aber dringend weitere Wohnungen. Das geht nur mit neuem Baugebieten.

Wichtig ist mir aber auch: Es ist richtig, Flächenversiegelung zu begrenzen. Deshalb darf es nicht mehr vorkommen, dass große Baugebiete in Erlangen ausschließlich mit Einfamilienhäusern bebaut werden, wie dies die CSU in Büchenbach-West getan hat. Wir brauchen eine Siedlungsentwicklung mit einem hohen Anteil an Geschosswohnungen – und dabei auch geförderten und freien Mietwohnungen – und einem deutlich niedrigeren Anteil von Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäusern (die es aber natürlich immer noch geben soll, weil sie zu einem gesunden Siedlungsmix dazugehören).

Jetzt eine große Fläche zu planen, die dann langfristig bis 2040 oder 2050 besiedelt wird, halte ich auch für richtig. Denn das gibt allen Betroffenen Planungssicherheit, wo die Entwicklung stattfinden wird. Die Alternative, jetzt hier ein kleineres Baugebiet auszuweisen und dann, wenn das voll ist mal zu schauen, wo man das nächste ausweist usw. usf. schafft diese Planungssicherheit nicht. KeinE GrundeigentümerIn, keinE LandwirtIn kann dann über einen längeren Zeitraum planen, sondern muss immer damit rechnen, dass seine/ihre Flächen in Kürze zum Baugebiet werden.

Wir steigen jetzt in eine Debatte um diese Siedlungsentwicklung ein. Es sind noch ganz viele Grundsatzfragen zu klären, viele Aspekte zu berücksichtigen und viele Beteiligte einzubeziehen. Und erst dann wird die Entscheidung stehen, ob, in welcher Größe und in welchem Zeitplan tatsächlich eine Siedlungsentwicklung erfolgt.